Was ist RAID und braucht man das heutzutage noch?

Einführung

RAID (Redundant Array of Independent Disks) ist ein Verbund aus mehreren Laufwerken. Das können klassische Festplatten (HDDs) oder SSDs sein. Für Windows erscheint ein solcher Verbund je nach Konfiguration nicht als mehrere einzelne Laufwerke, sondern als ein logisches Laufwerk.

Historisch hatte RAID vor allem zwei Ziele: mehr Geschwindigkeit oder mehr Ausfallsicherheit. Bei RAID 0 (Striping) werden Daten über mehrere Laufwerke verteilt, um parallele Zugriffe zu ermöglichen. Bei RAID 1 (Mirroring) werden dieselben Daten auf zwei Laufwerke gespiegelt, damit das System bei einem mechanischen Defekt eines Laufwerks weiterarbeiten kann.

Ist RAID 0 (Striping) heute noch sinnvoll?

Für moderne Laptops empfehlen wir RAID 0 nicht.

RAID 0 stammt aus einer Zeit, in der mechanische Festplatten durch bewegliche Magnetscheiben und Leseköpfe stark von Zugriffszeiten und sequenzieller Datenrate abhängig waren. SSDs funktionieren anders: Sie greifen direkt auf Speicherchips zu und haben bereits sehr niedrige Latenzen. Ein RAID-0-Verbund aus SSDs bringt deshalb im Alltag keinen Vorteil und ist sogar kontraproduktiv, weil die zusätzliche RAID-Abstraktion die Zugriffszeiten erhöht. RAID 0 macht SSDs also langsamer, ohne einen Vorteil zu bieten.

Außerdem erhöht RAID 0 das Risiko: Fällt ein Laufwerk im Verbund aus, sind automatisch alle Daten des RAID-0-Verbundes verloren.

Ist RAID 1 (Mirroring) eine sinnvolle Backup-Strategie?

Nein. RAID 1 kann vor dem Ausfall eines einzelnen Laufwerks schützen, ersetzt aber kein Backup.

Bei RAID 1 werden Daten auf zwei Laufwerke gespiegelt. Wird eine Datei gelöscht, beschädigt oder durch Ransomware verschlüsselt, passiert das auf beiden Laufwerken gleichzeitig. RAID 1 schützt also nicht vor Fehlbedienung, Softwarefehlern, Malware, Diebstahl oder anderen Unfällen.

Für die meisten Anwender sind regelmäßige Backups und Cloud-Dienste mit Versionierung sinnvoller. Versionierung bedeutet, dass ältere Dateistände erhalten bleiben und bei Bedarf wiederhergestellt werden können.

Dazu kommt: RAID-Verbünde werden nicht einfach durch die SSDs selbst verwaltet, sondern durch die Firmware des CPU-Herstellers und dessen Storage-Controller und die dazugehörigen Treiber. Ein RAID-Verbund übersteht Firmware-Updates in der Regel, kann aber durch bestimmte Änderungen an Firmware, BIOS-/UEFI-Einstellungen oder Treibern trotzdem unerwartete Probleme verursachen. Im schlimmsten Fall kann man dann nicht mehr auf seine Daten zugreifen.

Auch bei der Datenrettung kann RAID die Situation erschweren. Ein RAID-1-Verbund aus einem bestimmten Laptop lässt sich nicht zwangsläufig auf einem anderen Laptop oder PC wieder in Betrieb nehmen. Ist das ursprüngliche System etwa defekt oder anderweitig nicht mehr bootfähig, wird der Zugriff auf die gespiegelten Daten unnötig verkompliziert.

RAID 1 fügt also zusätzliche Komplexität hinzu, ohne die typischen Anforderungen an eine Datensicherung zu erfüllen. Für die meisten Anwender sind regelmäßige Backups (auf externe Datenträger) und Cloud-Dienste mit Versionierung die bessere Strategie. RAID 1 kann höchstens ein ergänzender Baustein für fortgeschrittene Anwender sein, die genau wissen, warum sie ihn benötigen, und wie damit umzugehen ist.

Werden XMG- und SCHENKER-Laptops mit RAID ausgeliefert?

Nein. Unsere Systeme werden standardmäßig immer ohne RAID ausgeliefert – das gilt sowohl für die Gegenwart als auch für sämtliche in der Vergangenheit angebotene Systeme.

Das gilt auch dann, wenn ein System mit mehreren SSDs bestellt wird. Wir bieten keine Standardkonfigurationen, Retail-Varianten oder Konfigurator-Optionen an, bei denen RAID automatisch aktiv ist.

Einige andere PC- oder Laptopmarken haben RAID in der Vergangenheit genutzt, um besonders hohe sequenzielle Lese- und Schreibwerte (via RAID 0) zu bewerben. Wir haben auf solche Marketing-Maßnahmen stets bewusst verzichtet, aufgrund der oben beschriebenen Nachteile von RAID.

Ein XMG- oder SCHENKER-System nutzt RAID nur dann, wenn der Verbund manuell eingerichtet wurde. Das kann entweder durch den Anwender selbst erfolgt sein oder in Ausnahmefällen auf ausdrücklichen Wunsch per E-Mail oder Kommentarfeld einer Bestellung.

RAID wird auch grundsätzlich nicht durch das Setzen von BIOS-Defaults berührt. RAID kann sich also auch nach BIOS-Update oder BIOS-Reset nicht "von selbst" aktivieren.

Ein RAID ist also nichts, was man unwissentlich aus Versehen einrichtet. Die Einrichtung erfolgt über das BIOS-Setup in mehreren Schritten. Wer also selbst nie RAID eingerichtet hat und uns auch bei der Bestellung eines Systems nicht explizit (schriftlich) aufgefordert hat, dies zu tun, kann tatsächlich davon ausgehen, dass RAID im System nicht aktiv ist.

Wie finde ich heraus, ob mein Laptop RAID verwendet?

Faustrgel: wer RAID nie bewusst eingerichtet hat, verwendet kein RAID. Dennoch kann man das recht einfach prüfen:

Über die grafische Benutzeroberfläche:

  • Startmenü öffnen und nach "partition" suchen.
  • "Festplattenpartitionen erstellen und formatieren" auswählen.
  • Dieser Menüeintrag öffnet das Programm "Datenträgerverwaltung".
  • Dort Rechtsklick auf die Datenträger (unten links) und "Eigenschaften" öffnen.

Via PowerShell:

  • Rechtsklick auf das Startmenü.
  • "Terminal" öffnen (öffnet die PowerShell).
  • Diesen Befehl eingeben:
  • Get-Disk | Format-Table Number,FriendlyName,SerialNumber,BusType,Size

Wenn dort die konkreten SSD-Bezeichnungen erscheinen, etwa von S Corsair, Samsung, WD, Crucial, Kingston oder einem anderen SSD-Hersteller, werden die Laufwerke direkt erkannt und nicht als RAID-Verbund betrieben.

Hinweise auf RAID wären Bezeichnungen wie "Intel RAID Volume", "Intel VMD", "AMD-RAID Array" oder ähnliche Einträge.

Wichtig: Begriffe wie Intel RST, Intel VMD oder AMD RAID im Geräte-Manager bedeuten nicht automatisch, dass ein RAID-Verbund aktiv ist. Sie können auch nur auf den verwendeten Storage-Treiber oder Controller hinweisen. Entscheidend ist, ob tatsächlich ein RAID-Volume eingerichtet wurde.

Ist Intel VMD dasselbe wie RAID?

Intel VMD (Intel Volume Management Device) ist die Abstraktionsebene, mit der man auf Intel-Systemen auch ein RAID-Verbund erstellen kann. Intel nutzt also im BIOS-Setup nicht mehr den "RAID"-Begriff, sondern fasst diese Funktion als Teil von VMD zusammen.

Ein aktivierter VMD-Controller bedeutet aber nicht automatisch, dass auch ein RAID-Verbund aktiv ist. Entscheidend ist, ob tatsächlich ein RAID-Volume eingerichtet wurde. Begriffe wie "Intel VMD" oder "Intel RST" weisen daher zunächst nur auf den verwendeten Storage-Controller bzw. Treiber hin, nicht zwangsläufig auf RAID.

Generell empfehlen wir jedoch, auf die Verwendung von VMD, RST usw. zu verzichten, da diese Abstraktionsebenen unnötige Kompatibilitätsprobleme verursachen können und abseits spezifischer, bewusster Sonderkonfigurationen (etwa RAID) keinen praktischen Vorteil bieten.