Informationen zur Lüftersteuerung

Einleitung

Dieser Beitrag erklärt, wie Lüfterkurven grundsätzlich funktionieren und welche zusätzlichen Mechanismen im Hintergrund wirken, um das Lüfterverhalten zu optimieren und um ein plötzliches Aufdrehen bei geringer Last zu vermeiden.

Was ist eine Lüfterkurve?

Eine Lüfterkurve beschreibt die Beziehung zwischen Temperatur und Lüfterdrehzahl. Dabei gilt: je höher die Temperatur, desto höher die Lüfterdrehzahl.

Beispiel:

xmg-apex-17_m25_fan-curve_cpu.png

Achsenbeschriftung:

  • Temperatur horizontal (°C)
  • Lüfterdrehzahl vertikal (%)

Solche Kurven sind jedoch nur eine vereinfachte Darstellung. In der Praxis nutzen wir zusätzliche Logiken, damit wir Leistungsspitzen zuverlässig abfangen können, ohne dass die Lüfter jedoch bei geringer oder mittlerer Last nervös bzw. unruhig wirken.

Unterschiede zwischen Leistungsprofilen

Leistungsprofile sind bewusst unterschiedlich abgestimmt, weil nicht jeder Anwendungsfall die gleichen Prioritäten hat. Typische Zielsetzung:

  • Performance/Overboost: maximale Reaktionsgeschwindigkeit und thermische Reserve.
  • Entertainment/Enthusiast: bester Kompromiss aus Leistung und Lautstärke (Effizienzmaximum).
  • Quiet/Silent/Balanced: minimale Lautstärke, dafür hart gedeckelte Power-Limits.

Ein reaktives Profil kann bei Lastwechseln schneller gegensteuern und Boost-Potential besser ausnutzen. Ein ruhiges Profil lässt bewusst mehr Spielraum, damit kurze Impulse nicht sofort hörbar werden.

Temperatur-Mittelung mildern Peaks ab

CPU- und GPU-Temperatursensoren liefern sehr dynamische Werte. Besonders CPU-Hotspots können innerhalb von Sekundenbruchteilen deutlich hochspringen, ohne dass daraus eine echte Dauerlast entsteht.

Damit Lüfter nicht auf jeden Spike reagieren, verwenden wir eine geglättete Temperatur über mehrere Sekunden als Grundlage - statt den Rohwert "in Echtzeit" zu verwenden.

Ergebnis:

  • Lüfter springen nicht bei jeder Millisekunde-Temperaturspitze an
  • weniger "nervöses" Verhalten bei gemischten Workloads
  • stabilere Akustik bei Video-Konferenzen, Web, Office, kurzen Burst-Lasten

Stabile Drehzahlen dank Hysterese

Eine Lüfterkurve besteht in der Regel aus Stufen oder Schwellen - es gibt also nicht für jeden einzelnen Temperatur-Wert eine entsprechende Drehzahl. Ohne zusätzliche Logik könnte das System bei Temperaturen nahe einer Schwelle ständig zwischen zwei Stufen wechseln.

Dagegen hilft Hysterese:

  • Temp Up: ab dieser Temperatur wird hochgeschaltet
  • Temp Down: erst unterhalb einer niedrigeren Temperatur wird wieder heruntergeschaltet

Beispiel:

  • Bei >75 °C → Lüfter springt auf 80 %
  • Erst wenn die Temperatur wieder unter 70 °C fällt, fällt der Lüfter zurück auf 65 %

Diese "Bandbreite" verhindert ständiges Pendeln und sorgt dafür, dass Lüfterdrehzahlen in der Praxis ruhiger wirken.

Je nach Profil ist diese Bandbreite unterschiedlich ausgelegt.

  • Performance: enger, schneller, reaktiver
  • Quiet/Entertainment: breiter, ruhiger, komfortorientierter

Warum drehen Lüfter im "Idle" manchmal kurz hoch?

Trotz all der o.g. Mechanismen lassen sich gelegentliche Lüftergeräusche im Idle nicht vollständig vermeiden. Der Grund hierfür liegt im vom Betriebssystem verursachten Verbrauch: lässt man das System ohne jegliche Maus- oder Tastaturaktivität wirklich für einige Minuten komplett Idle, beginnt Windows gelegentlich damit, anstehende Hintergrundaufgaben abzuarbeiten. Dazu gehören:

  • Windows Wartung und Indexierung
  • Virenscanner/Defender-Scans
  • Update-Mechanismen
  • Telemetrie, Sync-Dienste, Treiber-Tasks

Diese Prozesse können kurzfristig sehr hohe CPU-Last erzeugen, ohne dass man es direkt bemerkt. Je nachdem, welches Leistungsprofil gerade aktiv ist, reagieren die Lüfter mehr oder weniger stark auf diese hohe Hintergrundlast.

Wenn man aktiv arbeitet (Schreiben, Browsen, Meetings, Gaming), tritt dieses Hintergrundverhalten nicht auf. Auch bei reiniger Video-Wiedergabe (eigentlich ebenfalls eine Form von Idle) wird Windows keine Hintergrundarbeiten beginnen – Windows erkennt, wenn Video abgespielt werden (sowohl im Browser als auch in Video-Playern) und setzt dann Hintergrundaktivitäten und Sleep-Timer aus.

Wenn man also in Tests und Reviews manchmal davon liest, dass Lüfter im Idle vermeintlich "grundlos" auftouren, geben wir zu bedenken: bei gut designter Lüftersteuerung ist das in der Praxis weniger problematisch als es sich liest.

Was kann ich als Nutzer tun, um die Lüfterlautstärke zu reduzieren?

Falls die Lüfter auch in den ausbalancierten Profilen trotz vermeintlich geringer Last recht laut sind, lohnt es sich, einen genaueren Blick auf mögliche Ursache zu werfen.

Lüfter drehen nicht "einfach so" hoch: In den meisten Fällen reagieren sie auf unnötig hohen Verbrauch (CPU oder dGPU aktiv) oder, bei Geräten die schon lange im Einsatz sind, auf ein Kühlsystem, das durch Staubzusatz nicht mehr optimal arbeitet.

Dazu haben wir zwei weitere FAQ-Beiträge:

Dieser FAQ-Beitrag zeigt, wie man mit HWiNFO64 schnell erkennt, ob im Leerlauf unerwartet viel Energie verbraucht wird - typischerweise, weil die NVIDIA-GPU wach bleibt oder Hintergrundsoftware die CPU unnötig beschäftigt. Wenn diese "großen Verbraucher" beseitigt sind, sinken Lautstärke und Akkuverbrauch oft deutlich.

Bei älteren Geräten oder intensiver Nutzung ist Staub der häufigste Grund dafür, dass Lüfter früher und höher drehen als nötig. Eine regelmäßige Reinigung (mindestens 1x pro Jahr, bei viel Nutzung gern alle 6 Monate) stellt den Luftdurchsatz wieder her und verbessert sowohl Temperaturen als auch Lautstärke - ohne dass man irgendetwas an der Lüftersteuerung ändern muss.

Diese beiden Themen sind die sinnvollsten ersten Schritte, wenn die Lüfter im Alltag als "zu laut" wahrgenommen werden. Sonstige Maßnahmen wie Undervolting  oder weitere Anpassungen von Lüfterkurven gelten grundsätzlich als sekundär.

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